Carla in China

 
09Oktober
2018

Rückweg

Als mein Wecker um viertel vor 7 klingelte, regnete es draußen. Gemütlich klopften die Regentropfen auf die Blätter vor meinem Fenster und es war einfach viel gemütlich, um aufzustehen. Außerdem hieß aufstehen packen und fahren, und ich war von beidem nicht gerade begeistert. Allerdings wollte ich noch ein paar Fotos vom Haus machen und so schaffte ich es um halb 8 endlich, unter die Dusche zu hüpfen. 

Take hatte in den letzten Tagen auch eindeutig zu wenig geschlafen, er arbeitete nachts immer noch, weil er viele Aufträge aus den USA bekommt und wegen der Zeitdifferenz oft lange wach bleiben muss. Also gab es um viertel vor 9 ein schnelles Frühstück, ein Abschiedsfoto und dann nichts wie los! 

Gerade noch pünktlich kamen wir am Busbahnhof an, ich sollte mich melden, falls etwas schief ging und ich den Bus doch nicht bekam! Es ging aber alles glatt und der Bus fuhr los in Richtung Duyun und Hochgeschwindigkeitszug. (Die Rechnung für Unterkunft, Fahrten und Verpflegung war übrigens in Ordnung mit etwa 50e für 3 Tage.) Jetzt sitze ich im Zug, draußen wird es langsam schon wieder dunkel, in anderthalb Stunden bin ich zurück in Guangzhou. Morgen geht dann der Unterricht los, bis zur nächsten Reise wird es wohl noch eine Weile dauern. Dafür habe ich einen Capoeira Verein gefunden und kann schon am Donnerstag zum Training. Ich bin gespannt! 

08Oktober
2018

Bambus

Der Tag sollte gemütlich beginnen und das tat er auch. Als ich aufstand, war Take schon unterwegs, um seine Schülerin abzuholen. Sie kommt aus Maolan, einem großen Naturschutzgebiet bei Libo und der zweiten großen Attraktion hier. Ich setzte mich in die Sonne vor‘s Haus und wiederholte meine Vokabeln. So könnte jeder Tag anfangen!

Als die beiden wiederkamen, gab es Frühstück. Takes Schülerin begann schon mit der Arbeit: sie war dabei, aus Bambus eine Tasche zu Flechten, bzw. eine Dekoration für eine Plastikstrandtasche. Ich bin gespannt, wie das Endergebnis aussieht! Ob ich auch ein bisschen Bambus flechten lernen wollte? Na klar! Nachdem ich auch ein bisschen an der Tasche geflochten hatte, versuchte ich mich an einem kleinen Frosch. So ähnlich wie Origami, nur eben nicht aus Papier, sondern Bambus. Also vielleicht zwischen Origami und den Strohsternen, die es bei uns an Weihnachten gibt. Mein erster Versuch sah zwar noch etwas krüppelig aus, aber ich finde, den Frosch kann man erkennen! 

Nach einem üppigen und sehr leckeren Mittagessen (Take hätte auch Koch werden können, statt Optiker!), fuhren wir zusammen nach Maolan. Der Plan war, zum Sonnenuntergang auf einen Berg zu steigen. Nur die Sonne fehlte, es war ziemlich bewölkt. Wir stiegen trotzdem auf den Berg (wieder einmal so viele Stufen!). Der Blick von der Aussichtsplattform ganz oben war atemberaubend. Grün bewaldete Berge, soweit das Auge reicht. Nach ein paar Minuten wurde es heller, die Sonne kam heraus!! Tatsächlich gab es einen Sonnenuntergang auf dem Berg für uns! 

Bis ganz zum Schluss konnten wir leider nicht bleiben, wir mussten im Hellen wieder unten ankommen. Von unten riefen schon die Parkwärter (beeindruckend, das man es bis auf Emden Berg hören kann, oder?), also machten wir uns auf den Rückweg. Was für ein Riesenglück wir gehabt hatten! 

Auf dem Rückweg fuhren wir bei einem Bekannten vorbei, der ebenfalls Künstler war. Er war nicht da, aber wir könnten einen kurzen Blick in seine Werkstatt werfen. Eine große, schön dekorierte Bambusscheune voller Bambus, blau gemusterten Stoffen und Werkzeugen. Hier entstehen bestimmt einige lokale Kunstwerke! 

Dann war es Zeit fürs Abendessen. Gemeinsam mit der Familie von Takes Schülerin und ihren Freunden aßen wir vor ihrem Laden. Schön Chinesisch, an einem niedrigen Tisch mit Plastikstühlchen, vor uns mehrere große Schüsseln und eine ganze Pfanne mit Essen. Ein richtiges Festmahl! Viel verstehen konnte ich zwar nicht, aber Take übersetzte ab und zu und alle waren einverstanden, ein Foto zu machen, für meine Familie und Freunde zu Hause. Einmal Winken bitte! 

Take zeigte mir noch ein wenig die Stadt, ich probierte den lokalen ‚sauren Pflaumensaft‘ der ziemlich süß und erfrischend schmeckt, wundervoll natürlich (eine schöne Abwechslung hier) und echt gut! Ob ich noch zum Barbecue gehen wollte? Der Mann von Takes Schülerin hatte nämlich einen kleinen Barbecue Grill auf der Straße und verkaufte frisch gegrilltes Essen. Und so saßen wir schließlich beim zweiten Abendessen, mit frisch gegrilltem Beef, Bohnen und chinesischen Kartoffeln (Konsistenz wie Wackelpudding, aber nicht schlecht!), zum Abschluss gab es noch einen chinesischen Wackelpudding Nachtisch. So viel gutes Essen! 

Zurück im Haus zeigte mir Take noch eins seiner Kunstwerke: An der Hauswand gegenüber hatte er ein magnetisches Tangram aus Kunstgras angebracht. Es war zwar schon zu dunkel, um draußen zu spielen, drinnen hatte er aber auch zwei Tangrampuzzle aus Holz. Also kniffelte ich drauf los - und hatte prompt Glück. Nach wenigen Minuten hatte ich Quadrat und Rechteck gelegt. Das Dreieck war etwas kniffliger und Take schaute schließlich nach und gab ein paar Tipps. Auch geschafft! Obwohl es früher als an den letzten Tagen war, fiel ich ins Bett. Ich glaube, ich könnte noch Wochen hier bleiben! 

07Oktober
2018

Türkisfarbenes Wasser

Eins der Highlights um Libo ist eine alte Brücke mit 7 Bögen. Nach einem gemütlichen Frühstück ging es los.

Wieder bekam ich ein Busticket gleich zum Eintritt dazu, ich wunderte mich nicht mehr. Direkt die erste Station war der Drachenpool: ein See mit intensiv türkisfarbenem Wasser. Wunderschön! Der See wurde ein Stück weiter zu einem Fluss, den man tatsächlich mit einem Schlauchboot befahren konnte! Allerdings nur zu zweit. Obwohl ich unglaublich gerne statt hinter den Touristen herzutrotten, Bötchen gefahren wäre, musste ich zu Fuß gehen. Schade Schokolade. 

Auch der Fußweg war aber schön. Wieder nach dem Prinzip ‚Abbiegung mit den wenigsten Touristen‘ folgend, kam ich eine Straßen entlang, an der der Bürgersteig gerade noch gebaut wurde. Ich hätte wohl auch einen kleinen Sightseeing Bus nehmen können - den hatte ich wohl übersehen. Trotz Bus kamen kaum Touristen und ich landete schließlich am Eingang zur Glockenhöhle. Der Eintritt kostete extra, allerdings nur umgerechnet 1e. 

Die Höhle entpuppe sich wieder als bunt angestrahlte Tropfsteinhöhle! Zwischendurch war ich immer wieder ganz alleine und konnte dem Tröpfeln zuhören. Definitiv etwas sehr besonderes hier! Gegen Ende erkannte ich auch, warum die Höhle Glockenhöhle heißt...

Weiter ging es am Fluss entlang, an Wasserfällen und wunderschön türkisfarbenem Wasser. Ein Abschnitt des Weges hieß ‚Wald auf dem Wasser‘ und wirklich toste der Fluss hier durch und über die Bäume und Wurzeln. Der Spazierweg führte mitten durch den Wald, immer wieder auch durch den Fluss, und war teilweise überflutet. Was für eine Landschaft!

Schließlich kam ich an die berühmte Brücke. Sie war schon, sicherlich. Aber die Natur rundherum hat mich noch deutlich mehr beeindruckt. 

Obwohl es schon spät war, wollte ich noch zur letzten Ecke des Parks fahren. Mit dem Bus und einem Boot schaffte ich das auch in einer guten halben Stunde. Eine kurze Wanderung später stand ich vor einem riesigen Felsbogen über den Fluss. Der Ausflug hatte sich gelohnt! 

Anschließend musste ich Take schreiben, dass ich 6 Uhr kaum schaffen würde, ob er etwas später kommen könnte? Kein Problem, ich sollte mir Zeit lassen. Um halb 7 war ich wieder am Eingang, von Take keine Spur. Ich wartete eine Weile und versicherte einigen Autofahrern, ein Freund würde mich abholen, es wäre alles in Ordnung, dann kam Take. Sein Tank war leer gewesen. 

Zurück im Haus kochte Take wieder ein wundervolles Abendessen. Ich begann mich zu wundern, wie hoch die Rechnung wohl werden würde. Normalerweise zahlt man in China ja immer vorher... Gut, dass ich wahrscheinlich ausreichend Geld abgehoben hatte!

Wir schauten Cloud Atlas, obwohl es schon etwas spät wurde, und weil das Internet immer wieder abstürzte, schauten wir bis spät in die Nacht. Der Kamin knisterte hinter uns und als ich schließlich ins Bett ging, zirpten draußen laut die Grillen. Ich schaute noch einmal aus dem Fenster - was für ein Sternenhimmel! Schon am Abend vorher war mir aufgefallen, dass Neumond war und hier auf dem Land hielt sich die Lichtverschmutzung in Grenzen. Ich musste noch einmal raus!

In einen warmen Schal gewickelt und mit meiner Kamera bewaffnet stand ich 2 Minuten später vorm Haus. Die Milchstraße konnte man leider nicht sehen, Take sagte, ich hätte im Sommer kommen müssen. Trotzdem konnte ich einige Fotos machen, Take ließ sich von meiner Begeisterung anstecken und brachte mir erst einen Stuhl als Stativ, später Glut aus dem Kamin, damit es nicht zu kalt wurde. Nach einigem durch den Garten stapfen für den perfekten Foto Punkt wurde es leider zu bewölkt. Dringend Zeit zu schlafen! 

06Oktober
2018

Unterwegs nach Libo

Nach all den Schwierigkeiten, meine Tickets für Libo zu bekommen, war es soweit. Um 12:30 fuhr der Bus nach Libo. Ich packte und verabschiedete mich von meinen neuen Freundinnen, dann ging es über Bäckerei und Geldautomat zum Busbahnhof. Vorsorglich hob ich etwas mehr ab - die Chancen, auf dem Land eine größere Bank zu finden waren nicht unbedingt gegeben. 

Mein Gastgeber hatte mich bereits zu einer Wechat Gruppe hinzugefügt und ich hatte in den letzten Tagen eifrig verfolgt, was so passierte. Ein Gast hatte sich scheinbar über die ganzen Spinnen beschwert, der Gastgeber hatte geantwortet, es sei eben noch nicht alles perfekt... Und auf den Fotos klar erkennbar war die chinesische Toilette... Das konnte ja heiter werden! 

Nach etwa vier Stunden Fahrt stand ich am Busbahnhof in Libo und erklärte mehreren Motorrad und Taxi Fahrern, dass ich wirklich keine Hilfe brauchte. Ich kaufte mein Ticket für die Rückfahrt (nur zur Sicherheit, man weiß ja nie, wer noch so alles reist) und wartete auf meinen Gastgeber. Er wollte mich einsammeln.

Das dauerte noch eine ganze Weile, aber schließlich hielt ein silbernes Auto vorm Bahnhof und die Insassen winkten fröhlich. Zwei Chinesinnen aus Guangzhou waren auch gerade zu Besuch, eine sprach ziemlich gutes Englisch und erklärte mir einiges. 

Bevor wir am Haus ankamen, machten wir in einem wunderschönen Dorf halt: im Rahmen eines Projekts waren vor 1-2 Jahren alle Häuser zu Kunstobjekten geworden, riesige Bilder waren auf die Außenwände gemalt. Außerdem waren einige Mauern kunstvoll in verschiedenen Techniken errichtet wurden, einige Statuen... Mein Gastgeber hatte wohl kräftig mitdesignt und -gearbeitet und zeigte stolz seine Werke. 

Etwas den Berg hinauf an Dorfrand stand sein Haus. Ein altes Bauernhaus, dass er halb verfallen vor zwei Jahren gekauft und renoviert hatte. Meine Bedenken waren völlig unnötig gewesen, das Haus war ein Traum! Take, mein Gastgeber, hatte einen Kamin eingebaut, eine Küche mit durchsichtiger Decke eingebaut, eine Zwischenebene eingezogen und Holzboden in den Schlafzimmern verlegt. Alle Möbel waren selbstgemacht aus Massivholz, die Wände waren mit Fotos und Holzkunstwerken dekoriert. Wirklich ein Traum! Weil ich außer den beiden Chinesinnen der einige Gast war, bekam ich sofort ein schöneres, großes Zimmer mit eigenem Bad (ja, und richtiger Toilette!). 

Abends bereitete Take ein traditionelles Gericht aus dem Dorf zu: er füllte und marinierte ein ganzes Huhn, wickelte es in zwei Lotusblätter ein, gefolgt von Alufolie und einer Schlammschicht. Das ganze kam dann in die Glut des Kamins. Während wir warteten, briet er draußen auf einem Feuerkessel weiteres Fleisch und Gemüse. Ein langes, sehr leckeres Abendessen! (Zugegeben, auf den Geschmack der Hühnerfüße bin ich doch noch nicht gekommen...) 

Zum Abschluss des Abends setzten wir uns an den Kamin und schauten einen spanischen Film. Ich fühlte mich rundum wohl! Was für ein grandioser Abschluss für eine Chinareise! 

05Oktober
2018

Der größte Wasserfall Asiens

Die Busse fuhren erst ab halb 7, also musste ich ein Taxi zum Bahnhof nehmen. Ziemlich verschlafen saß ich in der Wartehalle bis um zwanzig nach 7 mein Zug kam. Heute ging es nach Anshun, zum offiziell größten Wasserfall in Asien! 

Im Zug war ich der einzige Fahrgast und wurde Zeugnis eines seltsamen Spektakels. Mir war vorher schon aufgefallen, dass man in China immer in Fahrtrichtung fährt. Ich hatte mir darüber allerdings keine weiteren Gedanken gemacht. Bis es an diesem Morgen immer wieder metallisch schabte und knallte. Eine nicht besonders gut gelaunte Schaffnerin nutzte die Zugfahrt, um die Sitzreihen schonmal in die richtige Position für die Rückfahrt zu drehen! Sogar die Dreierreihen waren drehbar und mit einem lauten Schwung drehte die Schaffnerin sie gegen die aktuelle Fahrtrichtung. China bleibt eben immer noch eine Überraschung! 

Aus Anshun musste ich noch etwa 40km weiter zum Wasserfall. Ob es einen Bus gäbe? Ja, der würde aber gut 2 Stunden brauchen. Dann hatte dich das frühe aufstehen wohl kaum gelohnt, also entschied ich mich für den deutlich teureren (mit 5e immer noch günstigen) Carpool Service. Der Fahrer des Kleinbusses platzierte mich direkt neben sich auf den Beifahrersitz, ich hatte eine Klasse Aussicht! 

Mein Ticket bekam ich auch schnell, zusätzlich ein Busticket. Ich wollte doch eigentlich laufen... Schnell verstand ich aber, dass man doch ein Busticket brauchte. Allein zur ersten Station waren es mehrere Kilometer und ein Taxi wollte ich wirklich nicht nehmen. 

Zuerst wollte ich mir eine Stelle flussabwärts vom Wasserfall ansehen. Dort strömt der Fluss aus unterschiedlichen Richtungen in einen Wasserfall, auf Fotos sah das unglaublich aus! Ich stieg also aus und los ging es. Theoretisch wäre der Spaziergang zum Wasserfall wunderschön gewesen. Ein paar Kilometer an einem See und am Fluss entlang, zwischen Felsbrocken und Lianen. Tatsächlich waren so viele Touristen da, dass der Weg ein einziger Stau war. Schritt für Schritt tappten wir vorwärts, schlimmer als jede Schlange vor der Kasse! 

Ich war schließlich so genervt von dem vorwärts schieben, dass ich Seitenwege nach Leere auswählte. Ich hatte wohl Glück und verpasste kein Highlight - und konnte zwischendurch geradeaus gehen! 

Entlang des Weges wurde es dann auch immer leerer. Schon die Landschaft vor dem anvisierten Wasserfall war ein Traum, immer wieder gab es kleinere Wasserfälle, kleine Seen, beeindruckende Felsformationen... Dann war ich schließlich am Wasserfall und ja, er war das Schieben wert!! Auch hier staute es natürlich wieder ein bisschen, glücklicherweise gab es aber genügend Aussichtspunkte am Weg, von denen aus man den Wasserfall aus allen Blickwinkeln bewundern konnte. 

Nach einer weiteren Busfahrt kam ich an das eigentliche Highlight: den großen Wasserfall. Auf dem Weg dorthin gab es einen weitläufigen Bonsai Park, gefolgt von einer Unzahl an Stufen herunter zum Wasserfall, die ich wieder überwiegend in der Schlange stand... Trotzdem war auch dieser Wasserfall jede Stufe wert, ein tolles Spektakel! 

Ich wanderte noch ein bisschen herum, holte den breitesten Wasserfall Asiens nach, den ich auf dem Hinweg übersprungen hatte, und kam schließlich zurück zum Eingang.

Um nicht wieder zurück in die Stadt zu müssen, kaufte ich ein Ticket für einen Bus direkt nach Guiyang. Ein schwerer Fehler. Der Fahrer des Reisebusses hatte scheinbar einen etwas aggressiveren Tag. Er orderte mich auf den Platz direkt hinter sich, eine knappe halbe Stunde später ging es los. Voll auf’s Gas und auf die Hupe! Eine Katastrophe, selbst für chinesische Verhältnisse. Ein Auto fuhr trotz minutenlangen Hupens (die Hupen der Busse hier sind wirklich laut!) weiter langsam vor dem Bus her. Als wir schließlich überholten, fluchte der Fahrer laut und wild gestikulierend in Richtung des Autos. Prima! Die junge Chinesin neben mir schlief zwischendurch ein, immer wieder aufgeschreckt von Dauerhupen oder einer halben Vollbremsung... Ich war heilfroh, als wir endlich in Guiyang waren! 

Zu meinem Hostel musste ich noch einen Bus nehmen und stand eine gute Stunde in einem sehr überfüllten Bus. Immerhin fuhr er deutlich besser! 

Am Abend vorher hatte ich zwei Amerikaner kennengelernt, mit denen ich zu Abend essen wollte. Einer der beiden wohnt schon seit einigen Jahren in Shanghai und spricht fließend Chinesisch, sodass selbst vegetarisches Essen (eine halbe Unmöglichkeit in China) kein Problem war. Es gab Hotpot, ein sehr chinesisches Essen. Dabei wird ein Kessel mit kochender Brühe (in unterschiedlicher Schärfe) in die Mitte des Tisches auf eine Herdplatte gestellt und verschiedenes Gemüse und Fleisch wird roh serviert. Man schmeißt dann einfach alles ins kochende Wasser und angelt es nachher mit den Stäbchen wieder heraus. Ein bisschen wie Fondue bei uns, nur mit einem größeren Kessel und Stäbchen anstelle von Pickern. 

Ein sehr leckeres Essen und ein sehr kommunikativer Abend! Zurück im Hostel war es zwar schon spät, trotzdemhabe ich mich noch auf englisch/chinesisch mit den Chinesinnen auf meinem Zimmer verquatscht.  Mit diesem Sprachmischmasch könnte ich bestimmt bald Chinesisch lernen! Mal sehen, wie das in Guangzhou tatsächlich klappt. 

04Oktober
2018

Disko in der Tropfsteinhöhle

Langsam wird es wirklich Zeit für eine Pause, ich komme kaum noch aus dem Bett morgens! Immerhin gegen 8 saß ich dann aber doch im Bus in Richtung Tianhe See. Dort sollte man fast 2 Kilometer durch eine Höhle gehen können! Als ich ankam, war es noch nicht allzu voll. Mit einem Sightseeing Bus ging es durch eine Geisterstadt. Alles neu gebaute Häuser, aber alle leer. Wie eine Filmkulisse! Und wirklich wird diese Stadt wohl überwiegend für Hochzeitsfotos genutzt.

Die erste Station war eine Bootsfahrt. Ich ahnte noch nichts, stieg in den kleinen Kutter und zog meine Schwimmweste an. Nach nur einer Kurve auf einem grünen Flüsschen ging es dann in den Berg. Scheinbar künstlich war ein Weg für das Boot in den Felsen gehauen, die Wände waren bunt angestrahlt und teils mit künstlichen Fossilien, teils mit gemalten Unterwasserszenen verziert. Keine langweilige Sekunde bitte! Wir kamen in größere Höhlen und schließlich in eine Bucht. Dort hieß es aussteigen, weiter ging es zu Fuß. 

Ich ging also mit einigen anderen Touristen in die Höhle. Sie entpuppte sich nicht nur als Höhle, sondern als ziemlich imposante Tropfsteinhöhle! Was auch recht beeindruckend war (und ich habe mich immer noch nicht entschieden ob positiv oder negativ) war die Lichtinstallation in der Höhle. Alles wurde kunterbunt angestrahlt, man konnte keinen Tropfstein übersehen. Teilweise blinkten die Lampen sogar bunt, dazu lief wirklich Diskomusik. Ein bisschen schräg, aber definitiv ein Erlebnis! 

Nach der Höhle ging es am Berg herunter zu einem Wasserfall. An mehreren Stellen fiel das Wasser hier in einen See, und betrieb einige alte Bambuwasserräder. Sehr malerisch! Anstatt zu den Wasserfällen hinunterzugehen, konnte man übrigens auch darüber schwingen. Wie auf einer Art Schaukel (natürlich gesichert) fuhr man dann an einem Seil in ordentlicher Höhe von einem Berg zum nächsten, einmal über See und Tal hinüber. (Keine Sorge Mama, ich konnte der Versuchung gerade so widerstehen.)

Es war schon fast Mittag, Zeit, zum Busbahnhof zu fahren und mein Ticket nach Libo zu kaufen. In den Park strömten mittlerweile die Menschenmassen, der Parkplatz war schon gesperrt. Gut, dass ich noch eine recht leere Höhle besichtigen konnte. Das bekam ich auch tatsächlich, allerdings nicht mein Ticket von Libo nach Duyun, um weiter nach Guangzhou zur Uni zu fahren. Das würde ich erst in Libo kaufen können, na super... 

Immerhin einigermaßen erfolgreich fuhr ich zurück in die Stadt. Ich lief erst zur ehemaligen Residenz eines Politikers zwischen Königsherrschaft und Volksrepublik (ein chices altes Gebäude, allerdings eher im Kolonialstil erbaut), die man leider nur von außen ansehen konnte, dann zu einem alten Turm am Fluss und Kloster. Ursprünglich in der Ming Dynastie, also unseren Mittelalter erbaut, ist auch das eine schöne Anlage, überwiegend in schwarz-weiß gehalten. Im Park am Fluss flitzen Hunde in T-shirt’s zwischen Karten spielenden alten Leuten und Go spielenden alten Herren herum (tatsächlich habe ich bisher noch keine Frau Go spielen oder auch nur dabei zusehen angesehen. Ein gesellschaftliches Tabu?). Ein besonders beliebter Sport scheint es hier zu sein, zu Musik zwei an einer Art Angeln befestigte Tennisbälle rhythmisch auf den Boden zu ticken. Ob es besonders kompliziert ist, sich dabei nicht zu verheddern? 

Jetzt wird es langsam Zeit fürs Abendessen und den Rückweg. Morgen steht der größte Wasserfall Asiens auf dem Programm. Ich bin gespannt! 

03Oktober
2018

Unterwegs nach Guiyang

Das Wetter sollte nicht berauschend sein und ich brauchte eine Pause. Außer der Zugfahrt gab es also keine Pläne für diesen Tag. Ich schlief aus, frühstückte ausgiebig im Hostel und machte mich auf den Weg. Um im Zug nicht wieder halb zu verhungern, kaufte ich unterwegs ausreichend Proviant ein. Diese kleinen Einkäufe zusammen mit der Masse an Menschen, die ebenfalls unterwegs waren, hat mich dann wohl doch zu viel Zeit gekostet. Nur eine Viertelstunde vor Abfahrt kam meine Metro am Bahnhof an. Und ich wusste nicht, wo es zum Gleis ging! Also im sprint aus der U-Bahn, die ewig lange Halle entlang - 1. Kilometer geschafft - um das Gebäude herum, Ticketkontrolle. Panisch zeigte ich allen mein Ticket „sorry, sorry!“ und tatsächlich ließen mich alle mit besorgten Mienen durch. Sicherheitscheck, noch 6 Minuten. Sprint durch die Bahnhofshalle - 2. Kilometer geschafft - endlich war ich da! Eine weitere Ticketkontrolle, dann war ich auf der Rolltreppe runter zum Gleis. Wagen 11! Ich brauchte 2! Der letzte sprint am Zug entlang - gefühlt 3. Kilometer - dann war ich endlich da. Völlig aus der Puste ließ ich mich auf meinen Sitz fallen, selbstverständlich angestarrt von sämtlichen Chinesen. Egal, das konnte ich jetzt auch nicht ändern. Zug bekommen! 

Vielleicht ist es Zeit, etwas zu Zugfahrten in China zu sagen. Eigentlich bin ich immer mindestens eine Stunde früher am Bahnhof. Wenn man nämlich keinen Hochgeschwindigkeitszug gebucht hat, dauern die Sicherheitskontrollen durchaus schonmal länger und man muss schon eine gute Viertelstunde vor Abfahrt zum Gleis.

An den Bahnhöfen für Hochgeschwindigkeitszüge ist alles extrem gut organisiert. In den Bahnhof kommt man nur mit gültigem Ticket und Ausweis. Die Chinesen können beides selbst scannen, mit meinem Pass muss ich immer zur manuellen Kontrolle, die aber auch schnell geht. Anschließend werden Gepäck und man selbst gescannt. Dann ist man in der Wartehalle angekommen. Die ist riesengroß und hat so um die 20 Schalter, jeweils A und B. Je nachdem, in welchem Teil des Zuges man sitzt, geht man zu A oder B, und je nach Zug geht man zur entsprechenden Schalternummer. Etwa eine Viertelstunde vor Abfahrt öffnet dann der Schalter. Man scannt sein Ticket, dann geht es eine Treppe oder Rolltreppe nach unten zum Gleis. Auf den Boden ist eingezeichnet, welcher Wagen wo hält, sodass man sich bitte direkt richtig hinstellt. Wenn der Zug einfährt, stehen alle in ordentlichen Reihen vor der richtigen Tür. Aus- und einsteigen geht entsprechend schnell, im Zeitplan ist in der Regel mehr als genug Zeit eingeplant. Die aussteigenden Passagiere gehen übrigens nicht dieselbe Treppe hoch, sondern nach unten ins Untergeschoss. Dort fährt dann meistens direkt die Metro ab. 

Verspätungen gibt es so gut wie keine, Verspätungen mit deutschen Ausmaß wären allerdings auch eine ziemliche Katastrophe: in jedem Zug fahren um die 2.000 Passagiere mit. Und es fahren ganz schön viele Züge. Ich möchte mir nicht so richtig vorstellen, was am Bahnhof loswäre, wenn ein paar Züge kurzfristig ausfielen... Bei Stürmen, wie dem vor einigen Wochen in Guangzhou, wird rechtzeitig bekannt gegeben, dass der gesamte Zugverkehr eingestellt wird. 

Es ist also alles sehr gut organisiert, allerdings auch sehr groß. Allein für die Wege innerhalb des Bahnhofs muss man einiges an Zeit einplanen, dazu kommen eventuelle Schlangen vor den Kontrollen und der Weg zum Bahnhof. So lange wie am Flughafen dauert es zwar nicht - aber es geht in die Richtung. 

Im Zug gibt es mittig in den Waggons Bildschirme. Da wird überwiegend der Staat gepriesen (Militär, Polizei, Rettungskräfte) oder die Passagiere werden erzogen (wie man sich wo verhalten soll, worauf man achten soll...). Zwischendurch gibt es Werbung für umliegende Städte. Alles in hervorragender Qualität gefilmt und sehr schön anzusehen. Schon klasse, wie die Sicherheitskräfte verlorene Koffer und Kinder retten! 

In Guiyang angekommen versuchte ich, mein Busticket nach Libo zu kaufen. Fehlanzeige, das ging nur am Busbahnhof und der ist fast am Flughafen und das ist ganz schön weit weg. Also zuerst zum Hostel. Im Bus genoß ein kleines chinesisches Mädchen gerade einen typischen Snack... Lecker! 

Im Hostel angekommen sprach die Chinesin an der Rezeption gutes Englisch und zeigte mir mein Zimmer. Ein sehr schönes Zimmer in einem netten Hostel, nur leider - eine chinesische Toilette... Übrigens auch ein Foto zur typischen Matratze in China: dieses Exemplar gehört eher zu den dickeren.

Naja gut, Endspurt, da kann man das schonmal verkraften. Zusammen mit der Chinesin versuchte ich, mein Ticket online zu buchen. Leider auch erfolglos, nicht möglich ohne chinesischen Ausweis. Es half also nichts, ich würde am nächsten Tag zum Busbahnhof fahren müssen, oder das Risiko eingehen, am Samstag kein Ticket zu bekommen. Beides eher unschöne Optionen! 

Es war mittlerweile Abend und ich schlenderte noch ein wenig durch die umliegenden Straßen. Nein, Guiyang ist wirklich keine Touristenstadt! Zum Abendessen entschied ich mich für eine Nudelsuppe mit Gemüse, zurück im Hostel traf ich wider erwarten einen Amerikaner. Er ist pensioniert und unterrichtet ehrenamtlich englisch etwas außerhalb der Stadt. Denn Guiyang liege in einer der ärmsten Provinzen Chinas, erklärte er mir, und oft werde auf diese Provinz heruntergeschaut. Touristen kämen überwiegend, um die Minderheiten zu sehen. Auf einigen Dörfern sei das Leben noch wie vor 100 Jahren, nur dass es mittlerweile Wasser und Strom gibt. Dahin zu kommen ist allerdings eine größere Aktion. Vielleicht nochmal ein Plan für ein verlängertes Wochenende von Guangzhou aus... 

02Oktober
2018

Poeten und eine Sichuan Oper

In Dengfeng hatte ich einen Rechtsanwalt und Regisseur aus Peking getroffen, der mir unbedingt empfohlen hatte, auf dem Rückweg in Libo vorbeizuschauen. Das passte von meiner Route her ganz gut und die Fotos von Libo sahen klasse aus. Allerdings musste ich ein Zugticket umbuchen. Ich versuchte es zuerst in einem kleinen Ticketbüro direkt in der Nähe des Hostels. Dort konnte ich zwar zwei weitere Tickets buchen, die mir noch fehlten (natürlich mit Servicegebühr, aber ok), das entscheidende Ticket zurück nach Guangzhou konnte ich aber nicht kaufen: ich hatte ja schon ein Ticket an dem Tag, solange ich das nicht zurück gab, konnte ich kein neues Ticket buchen. Und Rückgaben nur am Bahnhof. 

Weil es schon nicht mehr allzu viele Sitzplätze gab (also Tickets), fuhr ich eine halbe Stunde zum Bahnhof. Und stellte mich in die Schlange ‚Ticket Change‘, das klang doch richtig. In Erwartung einer längeren Wartezeit hatte ich mir glücklicherweise etwas zu frühstücken geholt. Nach einer halben Stunde war ich an der Reihe. Nein, ich könnte hier nicht umbuchen, ich konnte nur ein anderes Ticket vom selben Bahnhof kaufen. Also in die nächste Schlange, um das Ticket zurück zu geben. Als ich nach gut 20 Minuten an der Reihe war, stürzte das System ab. Es dauerte fast eine Viertelstunde, bis mein Ticket endlich zurückgenommen wurde und ich mein Geld zurück bekam. Immerhin 95% wurden erstattet, definitiv besser als bei der Deutschen Bahn... ich stellte mich in die nächste Schlange, in der Hoffnung, dort ein Ticket kaufen zu können. Nach zwanzig Minuten waren noch etwa zehn Leute vor mir, allerdings wurde eine Mittagspause an ausgerechnet diesem Schalter angekündigt, für in 15 Minuten. Das war zwecklos und ich gab auf. Zurück an meinem kleinen Ticketbüro am Hostel bekam ich schließlich mein Ticket, der Vormittag war vorbei. 

Trotz vorhergesagtem Dauerregen hielt sich das Wetter ganz gut und ich konnte zu Fuß zu einem Musikfestival gehen. Ich hatte auf einer Auswanderer Plattform davon gelesen. Für die Auftritte brauchte man zwar ein Ticket, den angeschlossenen kleinen Markt mit mit lokalen Handwerksständen konnte man aber umsonst betreten. Ich schlenderte über den Markt und bewunderte Panda Zeichnungen, Silberschmuck und gehäkelte Taschen. Ein niedlicher kleiner Markt und eine sehr schöne Abwechslung zu den üblichen Souvenirshops! 

Die nächste Station war das Sichuan Museum. Ich muss zugeben, dass ich in den letzten Wochen zu viele Bronzeglocken und Porzellangefäße gesehen habe, ich kann es einfach nicht mehr richtig genießen und aufnehmen. Also sparte ich mir die Highlights der chinesischen Geschichte und sah mir direkt die Ausstellungen zur lokalen Kultur statt. Beeindruckend bunte traditionelle Gewänder, viel Silberschmuck und eine Ausstellung zum tiberischen Buddhismus waren sehr schön. Einige Ausstellungsstücke sahen sehr exotisch aus, andere fast wie bei uns.

Irgendwann muss ich auch einmal nach Tibet reisen, das ist allerdings als Ausländer nicht ganze Land einfach, man braucht eine Sondergenehmigung und ein Extravisum. Also ein Plan für eine spätere Reise. 

Im Museum sprach mich ein junger Chinese an. Er sprach recht gut englisch und wollte sich unbedingt mit mir unterhalten. Wir sahen uns also gemeinsam das Museum an. Er studierte ebenfalls, in 2 1/2 Jahren würde er ein Pilot sein. Dafür musste er natürlich auch fließend englisch sprechen, unser Gespräch war wahrscheinlich eine gute Übung und ich war froh, ein paar Übersetzungen und Erklärungen zu bekommen. Ohne ihn wäre mir gar nicht bewusst geworden, dass ich mir unter anderem eine Ausstellung über den ‚Picasso Chinas‘ ansah! 

Nach dem Museum gingen wir weiter zur Grashütte von Du Fu. Er gilt als einer der bedeutendsten Poeten der chinesichen ‚Antike‘ und war im 8. Jahrhundert vor einer Rebellion nach Chengdu geflohen. Er baute die berühmte Grashütte und schrieb viele Gedichte in seiner Zeit in Chengdu. Neben Du Fu sind viele weitere bedeutende dichter als Statuen in einem Raum ausgestellt. Eine Chinesin wollte unbedingt ein Foto von mir mit einer Statue machen - na klar, kein Problem. Ob ich das Foto dann bitte auch bekommen könnte?

Einige der bedeutenden Gedichte sind auf Steintafeln verewigt. Davon habe ich natürlich nichts verstanden. Umso mehr habe ich dafür die Ausstellung von Bonsais bewundert. Unglaublich!

Nach einer kurzen Pause im Hostel hatte ich für 10 Uhr ein Ticket für die Sichuan Oper. Die Vorstellung fand in einem alten Teehaus statt und war eine Mischung aus Oper und Varieté. Zur Vorstellung würde traditionsgemäß Tee serviert, außerdem Sonnenblumenkerne und Erdnüsse, die allerdings in eine seltsame Soße getunkt schienen. Ich saß mit einer chinesischen Familie am Tisch, Großeltern, Mutter, Vater, ein kleines Mädchen und Baby. Das Mädchen fand mich in der ersten halben Stunde viel spannender als die Vorstellung und brachte mir immer wieder neue Erdnüsse. Die konnte ich natürlich nicht ablehnen! Wenn man übrigens einen VIP Platz gebucht hatte, saß man nicht nur ganz vorne, sondern bekam während der Vorstellung auch eine Rückenmassage - und Ohrenreinigung... Ich war mit meinem Platz ganz hinten aber in der Mitte sehr zufrieden! 

Die Show begann mit Akrobaten, die Flic-Flacs und Salti zeigten, gefolgt von einem Erhu (chinesische Geige) Stück, Operngesang (viel zu laute Mikros!) und einem Stück mit einer Handpuppe. Die Kostüme waren alle sehr aufwändig, die englischen Übersetzungen nicht so richtig verständlich. Dann begannen die Highlights des Abends: Ein Sketch, in dem ein Mann die Nacht nicht zuhause verbracht hatte und nun von seiner Frau bestraft wurde. Er musste mit einer brennenden Öllampe auf dem Kopf einige Kunststücke vorführen. Auch wenn ich der Diskussion der beiden nicht folgen konnte, waren Mimik und Gestik des Mannes sehr lustig! Sehr schön und beeindruckend war das folgende Schattenspiel. Eine Frau formte viele Tierfiguren nur mit ihren Händen. Schließlich kam der Höhepunkt des Abends: der Maskenwerkzeuge. Mit einer Handbewegung konnten die Artisten in Sekundenbruchteilen ihre Masken wechseln, teilweise sogar ihre gesamte Kleidung! Ein unglaublicher und sehr beeindruckender Trick! 

Nach der Vorstellung fuhren natürlich keine Busse mehr, immerhin regnete es nur leicht. Nach einem halbstündigen Spaziergang fiel ich erschöpft ins Bett. 

01Oktober
2018

Pandababies und Ruinen

Ich musste ein bisschen mit mir kämpfen, so früh aufzustehen, stand aber schließlich am Bus. Der Anschluss fuhr erst am 10 nach 7, neben der Bushaltestelle öffnete gerade eine Bäckerei. Perfekt! Gegen halb 8 war ich am Panda Forschungszentrum. Mit hunderten chinesischer Touristen. Obwohl erst ab halb 8 Tickets verkauft werden, waren die Schlangen vor dem Eingang schon verdammt lang. Scheinbar konnte man die Tickets aber auch online kaufen, jedenfalls bekam ich ein Studententicket und kam recht zügig rein. 

Die Anlage des Forschungszentrums ist riesig. Es gibt ein Museum über Riesen Pandas, zwei Geburtshäuser, ein Krankenhaus, eine Küche und natürlich mehrere Gehege für die Pandas, die alle möglichst natürlich gestaltet sind. Ziel ist es, eine ausreichend große Population aufzubauen und einige Pandas auszuwildern, um eventuell auch die wild lebende Population in den Bergen zu stärken. Die wächst in den letzten Jahren wieder an und beträgt jetzt etwa 1800 Pandas. 

Junge Pandas können zusammen leben, ausgewachsene Pandas sind allerdings Einzelgänger. Nur zur Paarung treffen sie sich, die jungen Pandas zieht die Mutter alleine auf. Die Pandadamen sind sehr wählerisch bei der Paarung, was die Vermehrung in Gefangenschaft nicht gerade einfach macht. Sowohl natürlich als auch künstlich werden allerdings seit Mitte des letzten Jahrhunderts Pandababys in Gefangenschaft geboren. Wenn es Zwillinge sind, zieht die Mutter meist nur ein Baby auf, zwei könnte sie in freier Wildbahn nicht großziehen. Ein Zwilling muss also meistens von Hand großgezogen werden. Auch das funktioniert mittlerweile. Und es gab sogar schon eine Pandamutter, die ihre beiden Zwillinge aufgezogen hat und einer weiteren Mutter geholfen hat. Statt einem hat sie also gleich drei Junge großgezogen! 

Ich folgte einem englischsprachigen Pärchen mit Guide zum ersten Pandagehege. Dort waren junge Pandas gerade dabei, Bambus zu frühstücken. Zu putzig! Sie bewegten sich langsam und drollig, ich hatte den Eindruck, sie würden jeden Moment umfallen. Und tatsächlich ließen sie sich zum Essen auch gerne auf den Rücken fallen und fraßen im Liegen. Sehr gemütlich! Im nächsten Gehege lagen drei schlafende Pandababys auf einer Decke unter einem Pavillon. Ihre Knochen sind wohl noch so zerbrechlich, dass man sehr vorsichtig mit ihnen sein muss. 

Ich kam an noch vielen Gehegen vorbei, Kindergärten für die jungen Pandas, die tollten und sich gegenseitig aus einem hängenden Bambuskorb herauszogen und schubsten. Alles wie in Zeitlupe. Hätten ich nicht später gesehen, wie ein junger Panda auf einen Baum klettert, ich hätte nie geglaubt, dass diese tollpatschigen Tiere wirklich klettern können. Obwohl es aber so aussieht als würden sie sogar im Sitzen umfallen, können Pandas senkrecht an Bäumen hochhalten und halten auch in mehreren Metern Höhe auf beeindruckend dünnen Ästen die Balance. 

An jedem Gehege hängt ein Schild mit Informationen zu seinem Bewohner. Zwei Pandas habe ich gesehen, die aus der Wildnis gerettet wurden. Ob aufgrund einer Krankheit oder eher unfreiwillig weiß ich nicht. Jedenfalls saß der eine am hintersten Ende des Geheges vor einem vergitterten Fenster mit dem Rücken zu den Besuchern. Das sah schon sehr traurig aus; ich hoffe, er kann bald ausgewildert werden... 

Im Anschluss an die Pandas nahm ich einen Bus nach Sanxingdui. Dort wurden 1929 von einem Bauern zufällig Relikte einer alten Zivilsation gefunden. Archäologen suchten lange nach weiteren Fundstücken, um die alte Legende der Shu, einer uralten Zivilisation in der Gegend, zu beweisen. Erst in den 1980er Jahren wurden sie fündig: sie fanden zwei Opferstätten, in denen hunderte von Relikten vergraben waren. Darunter riesige Bronzemasken und -köpfe, teilweise mit goldenen Masken verziert. Die Masken haben mich ein bisschen an Bilder der Maya erinnert, auch wenn die natürlich viele Kilometer weit entfernt gelebt haben! 

Zurück in der Stadt ließ mich der Bus in der Nähe des Wuhou Tempels aussteigen. Es war zwar zu spät, um die Tempelanlage zu besichtigen, rundherum gibt es aber eine Ansammlung alter Häuser mit Köstlichkeiten der Gegend und natürlich vielen Souvenirs. Ich hatte ordentlich Hunger und freute mich auf ein paar Snacks. Allerdings war es so unfassbar voll, dass ich in einer Menschenmasse durch die Gässchen schwamm. Später wurde es etwas leerer und ich fand tatsächlich mehr als genug zu essen. Auch wenn ich bei chinesischen Snacks oft etwas skeptisch bin, die sehen nämlich oft so aus...

Gesättigt und sehr müde viel ich schließlich ins Bett. De nächste Tag sollte etwas ruhiger werden und zuerst einmal wollte ich etwas länger schlafen! 

30Sept
2018

Ankunft in Chengdu

Bevor ich in den Zug gestiegen war, hatte ich keine Zeit mehr gehabt, etwas zu essen zu besorgen. Halb verhungert kam ich also in Chendu an. Mit der Metro ging es in die Stadt, unterwegs zum Hostel musste ich kurz in einem Restaurant halt machen. Gestärkt kam ich im Hostel ab, allerdings mit zu wenig Bargeld, um direkt zu bezahlen. Eine Anzahlung war aber in Ordnung und die Chinesinnen an der Rezeption buchten auch noch ein Ticket für die Sichuan Oper für mich für den 2. Oktober und halfen mir bei der weiteren Planung. Um am nächsten Tag die Pandas sehen zu können, würde ich ein Busticket brauchen.

Ich machte mich also auf den Weg zum Ticketbüro und zum Geldautomaten. Auf dem Rückweg schaute ich in Chengdus riesiger Shoppingmeile vorbei, die an sich als Attraktion gilt. Sehr groß, breite Straßen voller Geschäfte, ja gut. Unterwegs fing es an zu regnen und nach einem kurzen Abstecher in die Bar auf dem Dach des Hostels entschied ich mich fürs Bett. Am nächsten morgen wollte ich schon um kurz nach 6 den Bus nehmen, um möglichst früh bei den Pandas zu sein, vielleicht vor den Reisegruppen. 

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