Carla in China

 
13Dezember
2018

冷 - Kalt

Bei entspannten 15 Grad Raumtemperatur hilft nur noch eins: Fettpolster anfuttern!!

(Nein, es gibt hier leider keine Heizungen)

06Dezember
2018

Chinesisch

我还不懂中文 - ich verstehe noch immer kein Chinesisch... So langsam frustriert mich das sehr und ich habe ein ziemlich schlechtes Gewissen, dass ich in den letzten Monaten nicht wesentlich weitergekommen bin. Jetzt sind es nur noch drei Wochen, bis ich China verlasse - und ich habe noch immer Probleme, drei Sätze auf Chinesisch zu wechseln! Also nochmal ein Endspurt, ich hoffe sehr, dass sich da noch ein bisschen was machen lässt. Die letzten Wochen sind definitiv viel zu schnell umgegangen.

Dabei ist eigentlich gar nichts furchtbar Aufregendes passiert. Ich habe zwei Kurse abgeschlossen mit Abgaben und Teamwork, zwei habe ich jetzt noch. Das heißt im Moment habe ich mittwochs und samstags den ganzen Tag Uni (wobei, nur noch einmal am Samstag), Donnerstag und Sonntag habe ich Capoeira und ansonsten ist Zeit zum Lernen, Sightseeing oder (ja, zugegeben) Entspannen.

Bei 25 Grad und Sonnenschein Anfang Dezember ist es viel zu verlockend, einfach mal einen Nachmittag bei einem Kaffee im Café in der Uni zu verquatschen... Ich muss also zugeben, ich habe die letzten Tage auch einfach ein bisschen genossen und neben ein paar Chinesischvokabeln nicht so richtig viel getan.

Im Café gibt's aber leider ziemlich viele Mücken und vor allem so komische kleine Mücken, die man nicht wirklich sieht, die einen aber innerhalb von wenigen Minuten so gründlich zerstechen, dass man mindestens denkt man hätte eine heftige allergische Reaktion auf dem Kaffee... Entsprechend versuchen wir jetzt, gar keine Haut mehr unbedeckt zu lassen im Café, ich wickel auch immer vorsorglich meine Füße ein... 

Immerhin einen Nachmittag war ich aber noch mit Marcel unterwegs, im Zoo hier in Guangzhou. Christina, meine Chinesischlehrerin, hatte den Zoo empfohlen, also wollten wir unbedingt mal hin. Ganz so beeindruckt waren wir dann doch nicht, aber es war trotzdem ein netter Nachmittag. 

Auch sonst haben wir uns mittlerweile ganz gut hier eingelebt, KTV (Karaoke) steht noch aus, aber wir wissen jetzt immerhin wo man hier günstig richtig gut essen kann und waren schon im neuen Harry Potter im Kino. Es dauert ja doch eine Weile, bis man so weit weg angekommen ist - gerade ist der Zeitpunkt, an dem es richtig Spaß macht. So richtig sicher bin ich mir also noch nicht, ob ich in drei Wochen schon wieder weg will... Aber weg heißt ja immerhin nochmal reisen, dieses Mal mit Felix! Die Vorfreude überwiegt dann wohl doch! Und bis dahin heißt es jetzt - weiter gut essen und ordentlich Chinesisch lernen!!

 

09November
2018

Präsentationen und Business Lunch

Ich muss ja zugeben, dass ich im Moment nicht sehr motiviert bin, noch mehr an meinem Computer zu tippen als unbedingt notwendig. Aber es wird wohl doch dringend wieder Zeit für ein Update! Die letzten Wochen gab es einiges zu tun für die Uni, einige Abgaben, Recherchen, Analysen, Berichte, Präsentationen... Insgesamt also definitiv zu viel Zeit vorm Bildschirm, zu viel getippt, zu viel Uni! Spannend ist es aber trotzdem, und nebenher bleibt zumindest noch ein bisschen Zeit für den einen oder anderen Kaffeeklatsch in der Sonne (noch ist es einigermaßen warm) und Capoeira. 

Also zur Uni. Ich weiß nicht woran es liegt, aber meine Klassenkameraden finden mich irgendwie alle supertoll und mehrfach sind jetzt chinesische junge Herren auf mich zugekommen "Du bist in unserer Klasse sehr beliebt. Die Jungs finden dich alle super." Mich verwirrt das immer ein bisschen und ich weiß nicht, was ich sagen soll - aber so schlimm ist es wohl auch nicht. Was mir allerdings doch zu denken gegeben hat, war eine Aktion nach meiner letzten Präsentation in Strategic Management.

Hier in China sind Kameras omnipräsent und so stört es auch niemanden, wenn zwischendurch Fotos von den Slides oder Videos von Präsentationen gemacht werden. Ich habe mir also nichts dabei gedacht, als mir ein Kommilitone nach der Präsentation ein Foto von mir geschickt hat. "Danke, das ist ja cool! Das kann ich meiner Familie schicken!" Im Anschluss haben mich mehrere Klassenkameraden gefragt, ob sie mich auf WeChat adden können (natürlich haben eh alle meinen Account über die gemeinsame Kursgruppe), auch das hat mich gefreut. Ich erfahre ja immer gerne mehr von China und meinen Kommilitonen! Wir haben dann auch noch mehrere Selfies gemacht, immerhin war es die vorletzte Stunde und irgendwie waren alle in Abschiedsstimmung.

Nach der Stunde ging es in ein chinesisches Restaurant, mit knapp 40 Leuten konnten wir drei große runde Tische besetzen und jede Menge Köstlichkeiten probieren! Eine schöne Pause, bevor wir für unseren Finanzkurs arbeiten mussten, die Deadline war schon wieder viel zu nahe... Dann wurde es allerdings sehr Business-Chinesisch, heißt: wer verträgt den meisten Alkohol. Mein Sitznachbar, ein Australier mit chinesischen Wurzeln, musste mit jedem Kommilitonen einzeln einen Shot trinken. Und ein Glas Bier. Und noch eins... Ich war heilfroh, dass das nur von Männern erwartet wird - manchmal ist es wirklich gut, eine Frau zu sein! Der arme Marcel musste auch ein bisschen mittrinken, aber ich hatte den Australier gewarnt: wenn er Marcel abfüllte, müsste er dessen Part in der Gruppenarbeit übernehmen, wir hatten nämlich wirklich noch einiges zu tun... Das half einigermaßen, Marcel musste nur einen Shot und ein Bier trinken. Der Australier selbst war nach dem Essen noch erstaunlich ansprechbar und fühlte sich tatsächlich verpflichtet, uns bei der Gruppenarbeit zu unterstützen. Umso besser - er spricht fließend Chinesisch und wir brauchten auch eine Marktanalyse für China...

Aber zurück zu diesem Foto von der Präsentation. In den nächsten Tagen schrieb ich auf WeChat noch ein bisschen mit meinen Kommilitonen, unter anderem mit einer Mitstudentin. Nach ein bisschen "Hallo, wie geht's dir, was machst du so" schickte sie mir dann ein Foto - und zwar genau das, das mein Kommilitone bei der Präsentation von mir gemacht hatte. Ich schrieb zurück, dass ich das schon habe, und fragte mich, bei wem das wohl noch so angekommen war... Und was für andere Fotos von mir so kursieren...? Naja gut, es ist wohl China! 

 

04November
2018

Peking

Ja, ich war ja auch in Peking, und dieser Blogeintrag steht schon viel zu lange aus. Ich fürchte, ich habe mich einfach davor gedrückt, weil Peking der Auftakt zu einer viel, viel, viel zu stressigen Woche war... 

Nach Peking geflogen bin ich direkt nach meiner ersten Präsentation in Strategic Management. Mit meinem vollgepackten kleinen Rucksack und noch keinem Plan, was ich in Peking so machen könnte, ging es los. Meinen Laptop hatte ich natürlich auch dabei, schließlich würde ich wahrscheinlich zwischendurch arbeiten müssen. Zwei Klassen Strategic Management würde ich zwar verpassen - direkt im Anschluss stand aber meine zweite Präsentation mit meiner Gruppe an und den ganzen Sonntag würde ich auch in der Uni verbringen, Hausaufgaben hatte ich natürlich noch keine gemacht und mein Rückflug war erst in der Nacht von Samstag auf Sonntag.

Trotzdem wollte ich erst einmal Peking anschauen. Mein Hostel war in den Hutongs, relativ alten und traditionellen (nur zwei Stockwerke!) Häusern mitten in Peking. An sich schon eine Sehenswürdigkeit, aber unmöglich zu finden! Sogar das chinesische Google Maps lotste mich falsch, und chinesische Passanten hatten auch keine Ahnung, erbarmten sich aber schließlich und suchten mit mir zusammen. Endlich angekommen war ich ganz schön durchgefroren, verglichen mit Guangzhou war es doch schon wirklich kalt! Ich kroch also schnell ins Bett.

Am nächsten Tag wollte ich mir die verbotene Stadt ansehen und am frühen Abend einen Freund aus Maastricht treffen. Trotz etwa 11 Grad schien die Sonne und die Luft war wundervoll klar. Wetter wie zuhause - und tatsächlich fühlte ich mich auch direkt ein bisschen wie zuhause. Die verbotene Stadt sah ich mir zunächst von oben an, von einem Hügel hinter dem Nordeingang. Herein kam man leider nur im Süden und es dauerte eine ganze Weile, bis ich mit zum Eingang durchgekämpft hatte, denn überall standen Absperrungen und man musste durch mehrere Unterführungen. Wohl alles Maßnahmen, um der Touristenströme Herr zu werden. Schließlich war ich aber (nach einem Abstecher auf dem Tian'an Men Platz) da. Der Audioguide war super und ich lernte einiges über die Intrigen der Hofdamen und das Leben in den vielen Palästen der verbotenen Stadt. Einige kleinere Paläste waren aber auch gesperrt wegen Renovierungsarbeiten - nun gut. 

Paul, meinen Freund aus Maastricht, traf ich zu einem Spaziergang durch die Stadt und zum Abendessen. Es gab eine Art chinesische Wraps, sehr lecker, und der Wirt bestand darauf uns zu zeigen, wie man die Wraps richtig zubereitet und isst. Paul spricht mittlerweile auch fließend Chinesisch sodass es viel weniger Kommunikationsprobleme gab, ich war natürlich neidisch... Abends wurde es natürlich wieder ziemlich kalt und ich war froh, wieder im Hostel zu sein. Ich traf noch einen Biomedizin Student aus Malaysien, der mir dringend einen Besuch der Mauer empfahl. Dabei hatte ich doch eigentlich geplant, am nächsten Tag meine Uniaufgaben zu machen, und bis 4 Uhr musste ich schon im Hotel eingecheckt sein, für das Studienstiftungstreffen! Entschlossen stellte ich meinen Wecker auf 8 Uhr - zu spät, um noch zur Mauer zu fahren. 

Natürlich fuhr ich am nächsten Morgen doch zur Mauer. Von der Innenstadt aus braucht man gut zwei Stunden, und für das letzte Stück gab es keinen Bus (fährt wohl nur zweimal am Tag...). Glücklicherweise waren im ersten Bus ein Italiener und ein Ehepaar aus der Schweiz, die auch alle zur Mauer wollten, wir konnten uns also ein Auto teilen. Zusammen sind wir dann auch mit der Seilbahn auf die Mauer gefahren, ein bisschen die Mauer entlang gewandert und ich muss sagen, es war wirklich toll! Klare Luft, Sonne, und die Mauer! Ein wunderschöner Ausflug. Dann musste ich aber dringend zurück, ich verabschiedete mich von den anderen und fuhr mit einer Art Sommerrodelbahn nach unten. Ganz lustig, aber die Touristen vor mir blieben dauernd stehen... 

Unten angekommen war es aber leider nicht so richtig einfach, wegzukommen. Einen Bus Richtung Peking gab es nicht, nur einen zum offiziellen Parkplatz an der Mauer. Immerhin die richtige Richtung, also kaufte ich mein Ticket. Ich hatte nur noch drei Stunden, um zurück nach Peking zu kommen, meine Sachen im Hostel abzuholen und im Hotel einzuchecken - alleine die Fahrt zurück würde zwei Stunden dauern.. Etwas nervös stieg ich in den Bus und setzte mich neben einen Mann auf den letzten freien Sitzplatz. "Oh hey, where are you from?" - "Hey, wo kommst du denn her?" sprach er mich an. Aus Deutschland, ich studiere hier - wir unterhielten uns ein bisschen. Er war Pilot und mit zwei Kollegen an der Mauer. Mit zwei Kollegen? Und jetzt waren sie auf dem Rückweg? Nach Peking...? Und eh, wie kamen sie denn nach Peking...? Zwanzig Minuten später saß ich etwas eingequetscht zwischen den Piloten auf der Rückbank im Auto zurück nach Peking. Sie hatten einen Fahrer, der alle Gäste großzügig mit Bier und Wasser versorgte und vor allem - der mich pünktlich zurück zum Hostel brachte! Riesenglück gehabt, ich kam pünktlich am Hotel an.

Den Abend verbrachte ich mit den anderen Stipendiaten, Organisatoren und einigen Mitarbeitern der BCG im Goethe Institut, ein nettes Willkommen, leckere Snacks und spannende Gespräche. So ungefähr ging es die nächsten Tage auch weiter, wir hörten einen Vortrag an der deutschen Botschaft, genossen das wunderbare Frühstück im Hotel (was man so vermisst, wenn man in China ist...), gingen zusammen essen und ich nahm an einem Workshop zum Umweltschutz in China teil.

Einzig unschön war, dass schon am zweiten Tag der Smog deutlich schlimmer wurde. Ich hatte keine Atemprobleme und dachte mir zunächst nicht viel dabei. Samstagmittag war mir dann schon reichlich schlecht, am Nachmittagsprogramm konnte ich nicht mehr teilnehmen und auch im Bett liegen half nicht. Abends checkte ich aus und kaufte mir direkt eine Maske, doch sehr besorgt, dass ich den Flug nach Guangzhou nicht ganz unbeschadet überstehen würde. Die Maske half dann aber ein bisschen, mir war nicht mehr kotzübel und ich überlebte den Flug. Ich hatte weder Lust noch Energie mir nachts in Guangzhou noch einen Nachtbus zu suchen und stieg ins Taxi. Der Taxifahrer schlug einen Festpreis vor und ich rechnete schon fast damit, wieder auszusteigen - ich sah aber wahrscheinlich so schlecht aus, dass ich nur "geht nicht" auf chinesisch sagen musste, aufs Taximeter zeigen und er fuhr los. Nochmal Glück gehabt - gegen 2 Uhr lag ich endlich im Bett. Den nächsten Tag traute ich mich noch nicht zu essen oder trinken und hing mehr auf meinem Platz in der Uni als dass ich wirklich da war. Aber auch der Tag ging um, und abends war ich wieder einigermaßen in Ordnung. 

30Oktober
2018

Unistress

Noch ziemlich fertig vom Capoeira musste ich am Dienstag schon mit meiner Gruppe eine Präsentation in Strategic Management halten. Den ganzen Montag feilte ich an den Slides, denn meine Kommilitonen würden die Präsentation bewerten - und da zählt leider Aussehen deutlich mehr als Inhalt... Gerade so wurde noch alles fertig und es ist auch ganz gut gelaufen, auch wenn ich ohne Kaffee fast eingeschlafen wäre.

Auch für die anderen Fächer musste ich noch einiges machen, aber mein Flieger nach Peking ging schon nachmittags! Mir blieb also nichts anderes übrig, als einiges abzufotografieren, meinen Laptop einzupacken und aufzubrechen. Nachher stellte sich heraus, dass ich die wichtigsten Aufgaben vergessen hatte abzufotografieren - ein dickes Dankeschön an Marcel, der meine Abgaben gerettet und auch noch ausgedruckt hat!!

28Oktober
2018

Capoeira in Guangzhou

Dieses Wochenende war es so weit - die Batizado stand an! Schon am Dienstag kam Mestre Pedro aus Cambridge, Mittwochabend gab er ein kleines Training im Garten, im Anschluss begann die erste Roda mit einer anderen Capoeira Gruppe aus Guangzhou.

Capoeira findet immer in einer Roda statt (außer man trainiert eine bestimmte Übung) und eine gute Roda ist mit das Wichtigste am Capoeira. Dazu gehören einige Instrumente (meistens Tamburin, Trommel und Berimbau, ein Instrument mit einer Saite) die von den Capoeiristas gespielt werden, die anderen Capoeiristas klatschen und singen. Die Capoeiristas stehen dabei im Kreis, in der Mitte spielen (bzw. kämpfen) immer zwei Capoeiristas miteinander. Je nachdem, wie viele Teilnehmer dabei sind, wie gut sie singen und spielen können und wie motiviert sie sind, ist eine Roda voller Energie oder eben nicht. An diesem Mittwoch waren wir ganz schön viele, es war eine tolle Auftaktroda für die Batizado! 

Im Anschluss hieß es dann Abendessen und obwohl ich eigentlich nur noch kurz mitkommen wollte, verquatschte ich mich furchtbar... Erst gegen 4 Uhr morgens war ich wieder zuhause, immerhin konnte ich am Donnerstag ausschlafen!

Abends stand direkt das nächste Training an, und natürlich gingen wir danach wieder etwas essen. Der Mestre sollte schließlich auch China kennenlernen, und das chinesische Essen! Und natürlich blieben wie wieder etwas länger, dieses Mal landeten wir sogar noch in einem südamerikanischen Club - und ich hatte am nächsten Morgen um 9 Uhr Uni! 

Reichlich müde kam ich also Freitagabend wieder zum Training, der zweite Mestre war eingetroffen und sein Training kam mir furchtbar anstrengend vor. Wahrscheinlich brauchte ich einfach dringend mehr Schlaf, die brasilianische Lebensweise kombiniert mit chinesischer Uni ist doch etwas anstrengend! Ich entschied mich also trotz allen Gruppendrucks und der tollen letzten Abende für mein Bett.

Wieder etwas ausgeruhter ging es am Samstag weiter, schon um 10 Uhr trafen wir uns zum Training. Bis abends wurde trainiert, die Capoeiristas aus der Gruppe hier bekamen ihre Kordeln (so ähnlich wie Gürtel im Judo) und es fanden einige Rodas statt. Vor der großen Party, die für den Abend geplant war, kamen Cecilia (aus Guangzhou) und Sofia (aus Polen) mit zu mir, sie wohnen beide zu weit weg, um nach Hause zu fahren. Wir aßen noch gemütlich zu Abend und machten uns fertig, dann ging es wieder los. Highlight der Party waren einige Rodas im Club, immer zwischendurch waren Capoeira Lieder auf der Playlist und sofort bildete sich ein Kreis und zwei Capoeiristas begannen zu spielen. In Straßenkleidung und sogar Kleidern! Ein wundervoller Abend, mir kam es so vor, als würde Capoeira viel besser hierhin passen als in irgendein Fitnesscenter. Schließlich hat Capoeira auch auf der Straße angefangen, naja gut, vielleicht nicht direkt in einem Club... Wie auch immer, es war ein toller Abend!

Sofia übernachtete bei mir und wir brauchten am Sonntag viel zu lange, um aufzustehen und zum Training zu fahren. Da wir aber nicht die einzigen waren (auch das gehört zum Capoeira, meistens geht es etwas später los als geplant), war das kein großes Problem. Wir überlebten gerade so das Training und die Rodas, und auch wenn ich mich kaum noch bewegen konnte war ich traurig, dass es schon vorbei war. 

Zum Abschluss gab es ein tolles japanisches Abendessen mit den Mestres, direkt vor uns, in der Mitte des riesigen Tisches grillte ein Koch für uns Fleisch und Fisch. Unglaublich lecker! Wieder zuhause fiel ich in mein Bett, am nächsten Tag musste ich dringend einiges für die Uni nachholen, von Schlaf ganz zu schweigen.

20Oktober
2018

Uni und so

Es tut mir leid, es gab jetzt eine Weile keine Updates mehr. Zum einen passiert hier nicht mehr so viel Neues, zum anderen war doch einiges zu tun in der Uni. Jetzt aber endlich mal wieder ein Lebenszeichen, mit einer kurzen Beschreibung zur Uni! (Und nachträglich den Highlights aus den letzten anderhalb Wochen.)

Vor einer guten Woche ging es los, mit dem Kurs 'Strategic Management' (Strategisches Management). Auf den ersten Blick ein ordentliches Laberfach ohne allzuviel Inhalt, auf den zweiten Blick aber doch recht spannend. In einem Kurs wird hier so ziemlich alles gelehrt, was man zur Analyse des Marktumfeldes und der eigenen Firma wissen muss. Angewandt wird das Wissen auf Fallbeispiele, davon tragen in jeder Stunde zwei Gruppen eins vor. Das läuft dann so ab, dass für 15 Minuten jede Gruppe versucht, die bessere Show abzuziehen. Denn die Zuschauer entscheiden nachher, welche Gruppe besser war und beeinflussen somit die Note. Da zählen dann schöne PowerPoint Folien und Action oft mehr als Inhalt...

Ich bin in anderthalb Wochen zum ersten Mal mit meiner Gruppe dran, und es ist schon einiges an Zeit in die Folien geflossen! Bei unserem ersten Treffen ging es aber doch überwiegend um den Inhalt und ich würde sagen, selbst wenn man von den Präsentationen der anderen nicht allzu viel mitnimmt, aus der eigenen kann man einiges lernen. Nicht zuletzt interkulturelle Teamarbeit! Ohne Chinesisch ist nämlich auch das nicht so einfach, viele meiner Mitstudenten sprechen wenig englisch und sind sowieso schonmal zu schüchtern, um auch tatsächlich zu sprechen. Es ist oft gar nicht einfach, verstanden zu werden. Mittlerweile habe ich grob raus, welches Vokabular die Chinesen lernen und welche Worte ich umschreiben muss. Am besten in chinesischer Grammatik - das erhöht die Chancen auf Verständnis immens, auch wenn ich für die Präsentation wieder in korrektes Englisch wechseln sollte... Wir haben also oft lange auf englisch-chinesisch diskutiert bis wir klären konnten, das wir eigentlich dasselbe meinen - nur eben nicht ausdrücken (können). Wie die Präsentation läuft bleibt abzuwarten, aus der Vorbereitung habe ich auf jeden Fall einiges gelernt!

In einem anderen Fach (immer sonntags, 6 Stunden lang) lernen wir, Bilanzen zu analysieren. Im Prinzip entspricht das eins-zu-eins meiner Arbeit während des letzten Praktikums in einem PE Fonds: eine Firma raussuchen, ihr Geschäftsmodell verstehen, Marktumfeld und Finanzen analysieren und am Ende eine möglichst genaue Preisvorstellung für die Firma zu entwickeln. Ein spannender Kurs mit einer Dozentin, die nicht nur wirklich gut englisch spricht, sondern auch genau weiß, wovon sie spricht. Netterweilse hat sie uns auch direkt darauf hingewiesen, dass viel Arbeit auf uns zu kommt und wir den Kurs nicht nur für die Punkte belegen sollten... Spannend wird es sicherlich! Jetzt gleich muss ich auch noch ein bisschen was vorbereiten.

19Oktober
2018

Christina

Eines Nachmittags traf Marcel eine Chinesin auf der Straße, die unbedingt ihr Englisch verbessern wollte und im Gegenzug gerne bereit war, ein bisschen Chinesisch beizubringen. Marcel kam also in die Wohnung und fragte mich, ob er meine Daten weitergeben könnte. Na klar, gerne! Und so traf ich am nächsten Nachmittag Christina. 

Christina ist eine sehr nette junge Frau, Ende zwanzig, die seit einem knappen Jahr Mutter ist. Wahrscheinlich nicht ganz untypisch für hier arbeitet sie schon wieder, in ihrer Wohnung lebt neben ihrem Mann und Sohn auch ihre Mutter, die immer wieder auf den Kleinen aufpasst. Christina möchte gerne einen Master in Hong Kong machen, braucht dafür aber eine hohe Punktzahl in einem Englischtest. Für genau diesen Englischtest wollte sie also lernen.

Der Englischtest fand schon in einer Woche statt, und so beschlossen wir, uns möglichst oft zu treffen und erst einmal einen Fokus auf Englisch zu legen. Daraus wurden dann tägliche Treffen, wir wanderten immer für 2 bis 3 Stunden am Fluss entlang und unterhielten uns über Gott und die Welt, eben über alle Themen, die in einem Sprachtest eventuell abgefragt werden können. Ich erfuhr einiges über den Immobilienmarkt, explodierenden Elektroroller und das Hobby ihrer Mutter: Aktieninvestitionen. Ein wohl sehr verbreitetes Hobby. Als bei uns 2008 die Märkte einbrachen, boomte der chinesische Aktienmarkt und löste bei Privatpersonen einen Trend zu Aktieninvestitionen und -spekulationen aus. 

Schon bevor wir also mit Chinesisch angefangen haben, habe ich einiges über China gelernt. Dieses Wochenende hat Christina ihren Test und ist schon heute Mittag mit ihrem Sohn nach Hong Kong gefahren. Ich drücke ihr beide Daumen! Ein bisschen Glück kann ja auch nie schaden... Je nach Testergebnis muss sie den Test in ein paar Wochen noch einmal wiederholen. Ihr Englisch ist aber jetzt schon deutlich besser als das einiger meiner Kommilitonen, ich hoffe also sehr, dass alles glatt geht. 

Ab nächster Woche treffen wir uns dann zum Englisch und Chinesisch lernen, Christina hat sogar schon ein Chinesisch-für-Anfänger Buch bestellt, um mir zu helfen! Ich wiederhole schon einmal vorsorglich alle Vokabeln, die ich bisher gelernt habe und übe weiter mit meiner Sprachapp. Die kann mir aber keine korrekte Aussprache beibringen, da bin ich auf Christinas Hilfe angewiesen. Es gibt nämlich im Chinesischen vier verschiedene Arten, eine Silbe zu betonen (als wäre ein Fragezeichen dahinter, oder ein Ausrufezeichen zum Beispiel) und das bekomme ich noch nicht so richtig hin... Aber vielleicht wird es jetzt doch noch was!

11Oktober
2018

Capoeira in China

Schon auf meiner Reise hatte ich mich sehr darauf gefreut, in Guangzhou endlich wieder Capoeira machen zu können. Dann war es endlich soweit, und ich hatte gleich doppelt Glück: Eine tolle, lustige Truppe, die wirklich gutes Capoeira macht und eine Batizado in zwei Wochen!

Die Batizado ist im Capoeira das Ereignis des Jahres. Von Freitag- bis Sonntagabend kommen Capoeiristas aus aller Welt, und einer oder mehrere Mestres (Meister im Capoeira, es gibt in jeder Gruppe weltweit nur wenige Mestres), um gemeinsam Musik zu machen und zu trainieren. Dabei werden dann neue Kordeln verliehen, so ähnlich wie Gürtel im Judo. Das heißt also 3 Tage voller interessanter Leute, anstrengendem Training und toller Atmosphäre. Ein Glückstreffer!

10Oktober
2018

Unschöne Entdeckung

Als wir zurück in unsere Wohnung in Guangzhou gekommen sind, sah eigentlich alles recht sauber aus. Ein bisschen verstaubt war es (kein Wunder, die Wohnung nebenan wird seit Wochen renoviert), aber sonst schien alles in Ordnung. Wir wollten am nächsten Tag alles putzen, wischen und dachten, damit wäre es getan. Abends krabbelte allerdings eine Kakerlake unter dem Sofa - und was für eine! Bisher waren die Kakerlaken recht klein gewesen, in diese hier hätten mindestens 5 normale Kakerlaken gepasst.

"Marcel, würdest du das bitte...?" Marcel begab sich auf die Jagd. Und wurde natürlich von der Geschwindigkeit der Kakerlake überrascht. Noch bevor ich aufschreiben konnte, war sie in mein Zimmer und unter mein Bett geflitzt. Neiiiiiin, bitte nicht! Eine Suche mit Taschenlampe und ein paar Aufschreie später hatten wir sie aber dann, unter eine Schüssel hatte sie nicht ganz gepasst und so schaute sie halb zerquetscht unter dem Rand der Schüssel hervor. Wie furchtbar! Ich bat Marcel, sie dann doch bitte ganz zu töten und mit Zewa und Schüssel tat er das dann auch.

Entsorgung in den Mülleimer. Aber kaum im Mülleimer, begann sie wieder, mit den Fühlern zu wackeln! Ein letzter Aufschrei, dann wurde die ganze Mülltüte mit Kakerlake im Treppenhaus entsorgt - da stehen die Mülltonnen für alle Wohnungen, die regelmäßig geleert werden. Hoffentlich schnell genug... 

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